4 .Ohne Geld!!


Am nächsten Morgen gingen wir frühstücken und wollten dann die Gegend am Fluss, etwas weiter nördlich von unserem Hotel, erkunden und ein wenig Wintersonne tanken.
Vorher musste ich aber zu einer Bank und etwas Geld vom Automaten ziehen, denn - wie schon gesagt - unser Bargeld begrenzte sich nun nur noch auf $20,- und ein paar Cents! Also erkundigte ich mich an der Rezeption, wo die nächste Bank mit dem Cirrus-Symbol sei, denn da könnten wir mit unserer Karte Geld abheben! Zum Glück war die Bank keine 100 Meter vom  Hotel entfernt und ich lief schnell hinüber. Als ich am Automaten brav alle Nummern eingegeben hatte, ratterte das Ding auch ganz geschäftig herum und schmiss meine Karte wieder heraus - "Karte ungültig" stand auf dem Bildschirm!
Ach du Sch... - mir blieb fast das Herz stehen...
Wieso ungültig? Auf dieser Karte waren 1200,- EUR und nun?? Die sehr nette Dame am Schalter konnte leider auch nicht helfen und schickte mich zu einer anderen Bank.
Na toll...
Michael war entsetzt "Und jetzt?" "Was, wenn wir kein Geld bekommen? Wenn die Karte defekt ist?"
Tja, darauf wußte ich auch keine Antwort. Wir marschierten also zu dritt in die Innenstadt um die Scotiabank aufzusuchen, die ja bekanntlich eine Partnerbank unserer Deutschen Bank ist!
Wir mußten ein paar mal fragen und eine nette Fußgängerin meinte, wir könnten auch zur "Canada Trust" gehen, die hätten auch das Cirrus-Symbol!  Gesagt, getan!
Dort wieder den Automaten lieb gestreichelt, ihm gut zugeredet, Daumen gedrückt und .... wieder nichts! Karte ungültig! Ich konnte es nicht glauben und stellte mir schon jetzt Michaels Gesicht vor, wenn es wieder nicht hinhaut und wir kein Geld bekämen!
Ich ging als wieder zum Schalter und reihte mich in die Warteserpentine ein. Endlich war ich dran und versuchte einer sehr netten Bankangestellten mein Problem zu erklären, nämlich, dass unser ganzes Geld auf dieser kleinen unscheinbaren Karte war und dass diese Karte es nicht wieder hergeben wollte!!!
Langsam kroch die Panik hoch! 
Klasse. Ein fremdes Land. Kein Geld und noch 6 Tage bis zum Abflug...
Könnte es schlimmer kommen?
Ja, es kann...
Meine nette Bankangestellte fragte ihre Kolleginnen und die liessen spontan ihr Kunden stehen und versuchten nun zu dritt mein Problem zu lösen - wer jetzt glaubt, dass die Kunden sich beschwerten, als sie so lange warten mussten, irrt hier! Man wartete geduldig, ohne zu meckern, bis die Damen wieder hinter ihrem Counter saßen - ungalublich...

Die Dame von meinem Counter ging mit mir zu ihrer Chefin und auch diese versuchte die Karte einzulesen um herauszufinden, ob sie funktionierte.
Nichts funktionierte!

Die Chefin riet mir dann, mich sichtlich bedauernd, bei der Deutschen Bank in Deutschland nachzufragen, was mit der Karte ist! Tja und das wollte ich dann auch tun - dies ging allerdings erst in der Nacht, denn unsere Bank in Deutschland öffnete erst um 8:30Uhr und hier war es grade Mittag! Die Filialleiterin gab mir dann doch tatsaechlich noch ihre Privatnummer fuer den Notfall!!
Unglaublich!
Ich denke nicht, das mir das in Deutschland auch jemand angeboten haette...

Wir gingen also bei Saveway einkaufen:Margarine, Toast, Käse, Nutella, Milch, Sprudel und etwas Wurst - also verhungern würden wir schon mal nicht! Ich kann ja vieles ertragen, aber wenn nicht wenigstens mein Kind nichts zu essen hat, werde ich zur fauchenden Loewin!! Dazu kamen noch eine kleine Packung Plastikbesteck und kleine Pappteller. Das Dinner war also gerettet...

Wir vertrieben uns die Zeit mit einem ausgedehnten Spaziergang auf Prince's Island. Hier gab es einen grossen Spielplatz, ein Theater und jede Menge Squirrels - Eichhoernchen!!
Was machte das fuer einen Spass, diese putzigen Kerlchen zu beobachten...

Der Abend war mit Fernsehen ausgefuellt und Micha schlief schon, als ich dann endlich in der Nacht unsere Bank an der Strippe hatte!
Der Bankmensch war hoerbar ueberrascht, das wir kein Geld ziehen konnten und bestaetigte uns noch einmal, das "Alles in Ordnung war und wir doch nochmal versuchen sollten, die Karte zu benutzen! "Guter Mann, hier ist es nun halb 2 in der Nacht! Wenn dann gehe ich gleich morgen frueh zur Bank!" Der Gedanke mitten in der Nacht durch Downtown zur Scotiabank zu laufen war nicht sehr angenehm...
"Ja, machen sie das - die Karte ist jedenfalls ok!"
Na gut. Ausreichend beruhigt legte ich mich nun endlich schlafen.

Gleich frueh Morgens zog ich mich schnell an und flitzte zur Bankfiliale.
Na? Und? Was denkt ihr??
RICHTIG - nichts ging!!!
Ich haette heulen koennen, denn nun war es in Deutschland schon15:50 Uhr und gleich niemand mehr in der Bank.
Ich rannte zurueck und schmiss mich gleich ans Telefon.
Gott sei Dank! 
Es ging jemand ran - und es war nicht die Putzfrau!!
Endlich hatte ich meine Sachbearbeiterin am Hoerer, die Frau, die alles kann und alles Moeglich  machen konnte - dieses Gefuehl vermittelte sie jedenfalls...

Ich ueberfiel sie gleich mit allen Fakten und sie bat mich um etwas Geduld, weil sie alles in ihrem PC ueberpruefen wollte.
Ploetzlich hoere ich sie lachen.
Sie kam wieder ans Telefon und meinte "Wen hatten Sie gestern am Telefon?" Ich nannte ihr den Namen des Sachbearbeiters und sie meinte nur ziemlich vielsagend "Tja, der muss wohl noch ne Menge lernen..."  Ich war nun ziemlich verwirrt und hoerte sie dann noch sagen "Hoeren sie diesen Tastenklick?" Ja. Und was soll das?" " Tja, ich habe gerade ihre Karte freigeschaltet. Die war noch gar nicht freigegeben, weil Sie die vorher noch nie benutzt haben! Das haette mein junger Kollege aber im PC sehen muessen..." fuegte sie sehr missbilligend hinzu. "So, dann wuensch ich noch viel Spass in Kanada - das Geld dafuer haben Sie ja nun!"

So ganz traute ich dem Braten nicht, aber was soll ich sagen? 
Der Geldautomat in der Scotiabank hatte mich auf einmal wieder lieb und ich kehrte mit vielen, schoenen Dollarscheinen ins Hotel zurueck!

Nachdem wir ja nun wieder "fluessig" waren, konnten wir Calgary auch wieder geniessen und uns auch mal Kleinigkeiten goennen. 
Wir besuchten die Stephens Avenue und auch so manchen Souvenierladen...
ABER...
Natuerlich wollten wir die Stadt aus dem Blickwinkel des Einwohners und nicht des Touristen betrachten - schliesslich mussten wir entscheiden, ob wir hier leben wollten und auch konnten!!
Das hiess also:
PREISE VERGLEICHEN!!

Wir mussten schliesslich wissen, ob die Lebenshaltungskosten hier hoeher waren als in Deutschland und ob der hoehere Lohn gleich wieder futsch ist  - nein, das ist er nicht!!

Kaese und Milchprodukte sind - SHOCKING!! - im Vergleich horrend teurer! Ist auch kein Wunder, denn hier werden die  Milchbauern nicht subventioniert wie in Deutschland!!
Fleisch ist dagegen super guenstig!
Zum Vergleich: 1,6 kg feinstes Top Sirloin Steak CA $14,00 - das sind grad mal EUR10,00!!
WOW...
Gefluegel ist dagegen schon etwas teurer als das Rindfleisch - schliesslich heisst Calgary nicht umsonst "Cowtown"...
Fisch ist guenstig - Hummer und Krabben bekommt man fuer kleines Geld!
Schweinefleisch kommt nicht an die Preise in Deutschland ran - und das ist auch gut so!!
Alle anderen Lebensmittel halten sich die Waage - entweder guenstigeer oder gleicher Preis wie in Deutschland!
Das war ja schon mal nicht schlecht!!
Scheinbar laesst es sich hier gut leben - jedenfalls schien am Ende des Monats mehr uebrig zu bleiben, wie in Deutschland...

Was die Miete fuer ein Haus und die entstehenden Nebenkosten betrifft, mussten wir auf die Erfahrungen der Auswanderer zurueckgreifen, die schon laenger hier leben und ihre Erlebnisse im grossen
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