✦ Michael's Update

 Ihr erinnert euch? Das war der letzte Eintrag im 3. Tagebuch:

                                                                
                                                                "
 Nachtrag
Am Montag, dem 14. Januar 2008 fing Michael dann als erster Maler in seiner neuen Firma an. Es folgten noch 3 deutsche Malerkollegen und nach 4 Wochen wurde Michael sogar zum Vorarbeiter seiner Crew befördert!! "

 Tja - das ist schon lange her... 


Michael arbeitete bis Ende August dort in der Firma.
Eines sch
önen Tages fiel seinem Chef ein, das er nun wohl doch keine  eigene Maler-Crew mehr haben wollte.
Es war ihm alles zu umständlich, denn er musste sich ja um die Baustellen kümmern und auch Kostenvoranschläge für Kunden machen.
Aber wie macht an die, wenn man von der Thematik keinen Schimmer hat?

Früher heuerte er einfach eine Malerfirma an, ließ den Kostenvoranschlag 
erstellen und fertig. Nun hatte er alles selber an "der Backe", sozusagen und 
plötzlich hatte er darauf keine Lust mehr.
Dazu  kam noch Ärger mit einigen seiner deutschen Mitarbeiter, zwei Trockenbauer (Drywaller), die ihn nach Strich und Faden um Stunden betrogen... und ein Malerkollege von Michael, der seine große Klappe nicht halten konnte und sich ständig 
über die Arbeitsbedingungen beim Boss beschwerte.

 

 Es reichte Mark dann einfach und er feuerte erst einmal 2 deutsche Malerkollegen von Michael, sowie die Trockenbauer.

Natürlich konnten nun die Baustellen mit nur 2 Malern nicht wirklich zügig 
fertig gestellt werden und es kam der Tag an dem Michael ins Büro gerufen wurde und ihm Mitgeteilt wurde, das es ab sofort keine Maler mehr in der Firma geben würde...

Michel bedankte sich für alles, was Mark für uns getan hatte und 
verließ die Firma.


Tja so waren 'wir' plötzlich arbeitslos.

Wir hatten es zwar abgesehen, aber als es dann so plötzlich dazu kam, war
es natürlich ein Schock.
Na immerhin war das Work permit noch gültig und es war Sommer - Micha würde schon was anderes finden....dachten wir.


Die Stellensuche war dann doch eher eine Herausforderung.
Arbeit gab es genug, aber Malerfirmen MIT einem LMO - als der Möglichkeit ein Work permit zu beantragen - waren so gut wie nicht vorhanden...

Michael hatte viele Vorstellungsgespräche und noch mehr Probearbeiten, aber als es dann um ein Work permit ging, winkten alle Malerfirmen-Bosse ab.
Das war ihnen zu kompliziert und so einige wollten einfach nicht, das der Staat
ihnen in die Bücher guckt - denn das würde geschehen, bei einer Prüfung des Betriebes auf "LMO-Tauglichkeit"


Nicht mal Anspruch auf Arbeitslosengeld hatte Michael, denn den hat man nur, wenn man dem Arbeitsmarkt "uneingeschränkt" zur Verfügung steht - 
und ohne Open work permit (offenes Arbeitsvisum) war das ja nicht möglich.

Die Wochen gingen dahin, unsere mageren Ersparnisse gleich mit.
Wir hatten nun nur mein kleines Gehalt und einige private Malerjobs,
mit denen wir uns über Wasser hielten - darunter war die Renovierung
in meiner "Halle".
Mein Chef suchte jemanden, der die Wände repariert und mal überstreicht, denn nach zig dutzenden Hochzeiten im Sommer, hatten die Wände ganz schön gelitten.
Natürlich erzählte ich meinem Chef, dass mein Mann Maler sei und so durfte Michael die ganze Halle renovieren - und mein Chef war super zufrieden!

Er war so angetan von Michaels Arbeit, das er ihn sogar für sein neues Haus
anheuerte und es von Micha komplett streichen ließ!
Das war ein großer Auftrag und mein Chef war von dem Ergebnis so
begeistert, dass er Micha dann in der Halle als Hausmeister einstellte.
Erst mal "auf Probe" und dann, als mein Chef sich sicher war, dass Michael 
der Richtige für den Job sei, wurde eine Festanstellung daraus.

Yippppppppie - Micha hatte wieder Arbeit!!!

 




 

Das Problem war, dass nun bald unsere Arbeitsvisa (im Januar )ablaufen würden und so redete ich mit Vik darüber.
Wenn er Michael ein eigenes Work Permit besorgen würde, wäre es nicht möglich, dass ich wieder ein offenes Arbeitsvisum bekommen würde - also beschlossen wir, mir ein eigenes Visum für meine Tätigkeit zu beschaffen, denn als Cleaning Supervisor würde ich im Handumdrehen ein Visum bekommen (Skill Level B) und Michael dadurch ein offenes Visum, das es ihm einfacher machen würde, noch einen Job nebenbei zu bekommen, falls es hier in der Halle mal weniger zu tun gäbe...

Gesagt - getan.

Mit Hilfe eines klasse Anwaltes ging es eigentlich ziemlich schnell ein Visa zu bekommen und wir brauchten noch nicht einmal zur uns allseits bereits zu gut bekannten Grenze nach Montana - alles ging direkt über das Immigrationszentrum in Vegreville, AB.

*puuuh*  - nun waren wir für die nächsten 2 Jahre erst einmal versorgt Micha arbeitete nun mit mir in demselben Veranstaltungszentrum:

Er räumte den Schnee bei den zwei riesigen Gebäudekomplexen - erst nur mit der Schneeschaufel, dann mit einem "Snow Plower", so einem benzinbetriebenes Ding, reinigte den Hallenboden, dann machte er Instandhaltungsarbeiten am und im Gebäude (Malerarbeiten, kleine Klempnerarbeiten, Drywall reparaturen, Gas ablesen) stellte die Tische auf für die Veranstaltungen, polierte mit mir tausende von Wein - und Wassergläsern und Besteckteile, bestückte die Bars - und was der Chef sonst noch so für ihn zu tun hatte.

Und das alles für 13 Dollar, was nicht wirklich angemessen war, denn es war ein echter Knochenjob, denn all die verschiedenen Veranstaltungen bis 700 Personen bereiteten wir alleine vor, bei allem was darüber lag, halfen auch mal zwei Kellner des Personalservice von Philipp aus!

Nach knapp einem Jahr wollten wir ein Gespräch mit Vik, um fuer Micha nach einer Lohnerhöhung zu fragen, denn ich war der Meinung, er sollte für all die Arbeit einfach mehr verdienen. 
Tja bei dem Gespräch war Vik voll des Lobes über Michaels (und natürlich meine) Arbeit und wie toll alles klappen würde, seit wir die Veranstaltungen zusammen "schmeißen" würden....aaaaaber all das wäre nicht mehr Wert als eine Lohnerhöhung um  $1,50 Dollar...

WIE
 BITTE???
 
Da bekamen wir so langsam eine Ahnung davon, wie ausbeuterisch mein
(indischer) Chef sein konnte. Er wollte alles, aber am liebsten umsonst.
Seine Frau - die plötzlich auch bei uns anfing zu arbeiten (bis sie urplötzlich schwanger wurde..) meinte dann auch mal, dass man schließlich froh sein sollte, hier arbeiten zu dürfen.
Na, da gab es aber noch ganz andere Möglichkeiten an vernünftig bezahlte 
Arbeit zu kommen - vor allem wenn man ein offenes Arbeitsvisum besaß 

Wir hielten also einen Familienrat ab und wir beschlossen, dass Michael 
sich von nun an wieder in seinem Lieblingsjob bewerben sollte: als Maler!
Er bewarb sich viel, aber es war grade mal Februar (2011) und die Maler-Saison hatte noch nicht wirklich angefangen.

Micha hatte einige Resonanz und auch einige (heimliche) Term
ine zum
Probearbeiten - aber DER Job war noch nicht darunter...

Es wurde Juni und da war sie: DIE Malerfirma, die bereit war, Michael
einzustellen. Er arbeitete drei Tage zur Probe und wurde direkt 
Painter chief – so etwas wie ein Vorarbeiter.

Das Problem war, das der neue Chef ihn SOFORT beschäftigen wollte und so kündigte Michael in der Halle.
Vik war nun so gar nicht froh darüber und meinte, er müsste auf die Tränendrüse drücken, indem er uns daran erinnerte, wie sehr er uns doch geholfen hatte.
Natürlich hatte er uns geholfen, aber ich denke, wir - und im speziellen Michael - hatten das alles schon hundertfach "zurückgezahlt"

So also fing Michael als "First Painter" in dieser kleinen Malerfirma im Nordwesten der Stadt an, anfangs noch mit 4 Kollegen - darunter 2 Malerinnen.
John, der Chef dieser Malerfirma - die er von seinem Vater übernommen hatte - war 30 Jahre alt und hatte keinen Schimmer vom Malerhandwerk, obwohl er sich selbst für Gottes größtes Geschenk an seine Kunden hielt.
Ach ja - eigentlich studierte er nebenbei um irgendwann mal Reverend, also Pastor, zu werden…


John

*seufz* Micha  musste die Firma samt Kollegen erst einmal auf Vordermann bringen.
Vom Zeitmanagement bis Qualität der Farben - nichts haute so wirklich hin. Die Firma beschäftigte hauptsächlich Hilfskräfte, was natürlich der Qualität der geleisteten Arbeit gar nicht gut tat.

Micha überredete seinen Chef, nach wirklichen Malern zu suchen und wenigstens noch einen Maler einzustellen.
Die Vorstellungsgespräche waren oft ein Witz, denn eine wirkliche Ausbildung zum Painter & decorator gäbe es erst seit ein paar Jahren und die 
Ausbildung war nichts im Vergleich mit der eines deutschen Malergesellen...

Man fand einen ambitionierten Maleranfänger, den Michael weiter ausbildete.
Der junge Mann war nicht schlecht und sichtlich bemüht was dazuzulernen.

Leider ist es weit verbreitet in Kanada, das Mitarbeiter mal eben die Firma
wechseln, wenn sie nur den Hauch einer Chance wittern, woanders einen 
Dollar mehr zu verdienen. So geschehen mit dem tüchtigen Jungmaler, der
sich plötzlich berufen sah, nun als Profimaler woanders zu arbeiten.
Dumm gelaufen...

So einige Maler- und Malerhelfer verließen die Firma auch aufgrund des unprofessionellen Verhaltens des Chef
- darunter auch eine der beiden Frauen: Catherine. Wie man nach und nach herausfand,
trank der Gute schon Vormittags Bier und Vodka (ich hab’s mit eigenen Augen gesehen!!!) und war auch ein bis drei täglichen Joints nicht abgeneigt.

Das kam natürlich nicht so gut an bei Kunden, denn wenn der Chef einer Firma ziemlich high oder angetrunken zu einer Hausbegehung oder einem Kostenvoranschlag-Termin erschien - natürlich oft zu spät, oder eben gar nicht - verzeiht das die Kundschaft eher nicht und weicht
zu anderen Malerfirmen aus.
 
Michaels Nerven lagen oft blank, wenn sein Chef sich mal wieder so daneben
benommen hatte - was ziemlich oft vorkam.

 

 
 
 

Nach und nach wurde alles was Michael an Qualität in die Firma gebracht hatte, von diesem unfähigen Chef zunichte gemacht und als eine ehemalige Kollegin Michael fragte, ob sie ihn mal sprechen konnte, weil ihr neuer Chef einen fähigen Maler sucht - sagte er erst einmal nicht nein.

Was nützt der Posten als Painter Chief, wenn Kunden von Aufträgen zurücktreten und dann keine Arbeit mehr da ist?

Dann sollte man sich vielleicht nach was anderem umsehen, nicht wahr??

Wir hatten dann also ein sehr nettes und aufschlussreiches Gespräch mit
Catherine, Michaels ehemaliger Kollegin bei John.
Sie sagte, dass ihr Chef Michael UNBEDINGT einstellen möchte - und das nur aufgrund von Catherine's Erzählungen ihm gegenüber über Michas Arbeit.
Also beschlossen wir, diesen Chef mal kennenzulernen.
Wir riefen ihn dienstags an und Michael sagte ihm zu, am darauffolgenden Samstag mal auf die aktuelle Baustelle zu kommen, um mal ein paar Stunden
mitzuarbeiten.



Catherine

Von Catherine wussten wir, dass diese Firma ausschließlich Qualitätsarbeit an oft älteren aber sehr teuren, hochwertigen Häusern in der Elbo Drive and Mount Pleasants Gegend macht - und das seit mehr als 30 Jahren bei überwiegender Stammkundschaft.
Nicht mal Angebote brauchte diese Firma in die Zeitung setzen - die Kunden kamen auch so!
Tolle Aussichten, denn genau das ist was Michael am liebsten macht:
Schönen aber alten Häusern wieder den früheren Glanz zu verleihen 

 

 
 
 


Michael teilte seinem "Noch-Chef" John direkt am nächsten Tag (Mittwoch) mit, das er am folgenden Samstag nicht arbeiten konnte, da er einen wichtigen Termin habe.
John meinte, das Michael nicht einfach darüber bestimmen könne, ob er arbeiten komme, oder nicht und er machte einen riesigen Aufstand.
 

 

 
 
 

Niemand hatte ihm zu sagen, was er zu tun hätte und Michael hätte keinen Respekt und er ließe sich nicht von ihm auf der Nase herumtanzen...

 

 
 
 

Wo hatte der Kerl ein Problem???
Er hatte genug Leute für die Baustelle und er hätte einfach mal seinen 
betrunkenen Hintern bewegen müssen um mal selbst mitzuarbeiten - aber das war ihm wohl zu dumm!

NEIN - er wollte seinen Willen durchsetzen und meinte, wenn Michael weiter darauf bestehen würde, das er am Samstag nicht arbeiten würde, dann würde er ihn feuern. Michael dachte, er hätte nicht richtig gehört und fragte nach:

 

 
 
 

"Wie? Du sagst, du feuerst mich???"
"Ja, du bist dann gefeuert" meinte John und schaute ihn ziemlich sauer an.
"Ok!" - sprach Micha, packte sein Material zusammen, verabschiedete sich von den (ziemlich verdutzten) Kollegen, dem verständnislos dreinschauenden Kunden und einem noch sprachloserem John und fuhr von der Baustelle...

 
 
 

 

Ich sprach dann sogar selber noch mit John, denn er rief mich an um mir zu erzählen, wie furchtbar stur Michael gewesen wäre und das er gezwungen war ihm zu kündigen - ich war aber schon informiert und ich sagte ihm, dass jeder andere einfach Samstagmorgen angerufen hätte und eine Krankmeldung eingereicht hätte - Michael war wenigstens ehrlich und sagte ihm, dass er nicht kommen könne...

Wir bekamen dann Emails in denen John versuchte Michael dazuzubewegen, wieder zurückzukommen. Er setzte ihm ein Ultimatum und meinte, die (fristlose) Kündigung wäre dann endgültig, wenn er an dem besagten Samstag nicht um 9Uhr morgens auf der Arbeit erscheinen würde...

?????

 

 
 
 

Seine Emails wurden immer böser und schließlich drohte er Michael, er solle besser am Samstag arbeiten kommen, sonst...

 
 
 

 

Schließlich wäre er „nicht in der Situation“, um sich querzustellen - damit spielte er auf unsere Arbeitsvisas an, die in drei Monaten ablaufen würden.
Er wollte uns drohen? Lachhaft...

Pffff...er war nicht der einzige, der ein Arbeitsvisa besorgen konnte

Ich brachte Michael an dem besagten Samstag zur Baustelle - ein wunderhübsches, altes aber hochwertiges Haus in einer supergepflegten Siedlung am Elbow Drive...

Ich wollte grade wieder losfahren, als der Chef der Firma ankam. Er stellte 
sich mir vor "Hallo ich bin Rob, schön dich kennenzulernen"
Rob ist gebürtiger Holländer und schon über 40 Jahre in Kanada. 

Als Europäer kennt er natürlich die gute Ausbildung, die Maler in Deutschland haben und weiß um die Qualität der Arbeit.

Rob fiel gleich mit der Tür ins Haus und sagte mir direkt, das Michael genau der Mann wäre, den er schon lange suchen würde.
Hey - er hatte ja noch nicht mal gesehen, wie Micha arbeitet!
Er winkte nur ab und sagte, es reiche ihm, was Catherine ihm über Micha erzählt hatte.
Er sagte, ihm ginge es gesundheitlich manchmal nicht gut (Arthritis) und er sucht dringend jemand, der die Qualitätsarbeit, die er bietet, aufrechterhalten kann - und eines Tages die Firma weiterführen sollte!

WAS??? WIE???

Jepp - ich hatte richtig gehört: dieser Mann, den ich grade das erste Mal getroffen habe, sprach davon, Michael die Firmenleitung eines Tages zu übergeben!
WOW!!!!!!
Rob hatte nur 2 Töchter und beide waren nicht in das Malerhandwerk involviert und hatten komplett andere Berufe - was nicht bedeutet, dass
sie nicht malern konnten, denn das konnten beide - aber beide hatten eben andere Pläne...


Tja der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt.

Michael startete direkt am nächsten Montag in der neuen Firma - mit einer fetten Lohnerhöhung - und Rob ist immer noch begeistert, über Michas Arbeit.
Michael hat endlich wieder Spaß bei der Arbeit, schont seine Nerven, hat eine nette Kollegin und super Baustellen.




Zurzeit warten wir auf unser LMO und die neuen Arbeitsvisa, die Rob mit Hilfe unseres super Anwaltes beantragt - und bezahlt - hat!
Ich werde wieder ein offenes Arbeitsvisum bekommen und ob ich dann eine
besser bezahlte Arbeit finde, wird sich herausstellen - denn ich habe auch keine Lust mehr, weiter unter Wert zu arbeiten 

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Wir scheinen endlich mal auf der Sonneseite des Lebens zu wandern - was ja schließlich auch mal Zeit wird. Ich denke, wir haben es uns wirklich verdient!

To be continued...



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